Interview mit dem plastischen Chirurgen Dr. Martin Skála

Was sind die aktuellen Trends in der plastischen Chirurgie?

Das ist schwer zu beantworten. Plastische Chirurgie ist relativ stabil, aber in Bezug auf individuelle Leistung ist es eine Frage der Mode. Einst war Lipotransfer sehr beliebt, oder die Übertragung von eigenem Fett auf Brust, Po oder Gesicht, aber weil die Ergebnisse nicht blendend waren, ist das Interesse heute nicht mehr so groß. Darüber hinaus muss der Lipotransfer wiederholt gemacht werden, wie zum Beispiel im Falle der Brust, so dass man davon langsam zurücktritt. Ich persönlich habe es nie getan. 

Warum?

Ich hatte zu dieser Methode immer meine Vorbehalte.

Und was ist jetzt „in“ im Ausland? 

In Lateinamerika zum Beispiel sind Implantate im Gesäß immer noch ein großer Hit, aber Europa ist konservativer, daher gibt es dort keine solche Nachfrage.

Welche Leistungen führen Sie in der OB Care Klinik durch?

Bei uns bieten wir ein ganzes Spektrum von Leistungen an. Dies ist von korrektiven Operationen des Gesichts über die Brust bis zum ganzen Körper, wie Fettabsaugung, Bauchstraffung, Körperstraffung, Gesäßstraffung... Im Grunde gibt es wahrscheinlich keine Leistung, die wir nicht tun würden.

                                                                                  

Gibt es Leistungen, die Sie neu anbieten?

Nur im Bereich der minimalinvasiven Leistungen führen wir das Facelifting mit resorbierbaren Lifting-Silhouette-Fäden durch. Das ist wahrscheinlich die einzige neue Sache, ansonsten geht es um klassische Eingriffe.

Kommen mehr Frauen oder Männer zu Ihnen?

Die Frauen kommen häufiger. Unsere Kunden sind Tschechen und Menschen aus dem Ausland, zum Beispiel aus England, Deutschland, der Schweiz und so weiter.

Was zieht sie zu uns an?

Vor allem der Ruf unserer Ärzte und ihre hoch professionellen Ergebnisse. Aber es wird sicherlich auch der Preis sein, denn wir sind immer noch billiger für ausländische Kunden, vor allem aus den westlichen Ländern. Vor kurzem habe ich mich mit einer Engländerin unterhalten und sie sagte, die Bauchstraffung würde in England bei neun bis zehntausend Pfund liegen. In der Schweiz kostet sie rund zehntausend Schweizer Franken, und wenn man denkt, dass der gleiche Eingriff bei uns zwischen vierzig und fünfzigtausend Kronen kostet, ist das ein großer Unterschied. Ausländische Kunden müssen natürlich noch die Reise- und Unterkunftskosten dazuzahlen, was für inländische Kunden nicht der Fall ist, es ist aber immer noch für sie sehr günstig.

Und woher erfahren sie von Ihnen?

Meistens durch Agenturen. Oft bin ich Zeuge solcher Fälle, dass der Kunde zum Beispiel in London zu einer Konsultation geht, und wenn er herausfindet, was er braucht, findet er eine billigere Alternative im Ausland. Schließlich kommt er zu uns, oder nach Polen, was für die Briten auch eine der gefragten Destinationen gehört. Die Österreicher fahren eher nach Ungarn; kurz gesagt, der ganze Ostblock ist gefragt, weil er vergleichbare Dienstleistungen auf hohem Niveau aber zu niedrigen Preisen anbietet.

Das Niveau der einzelnen Kliniken ist jedoch unterschiedlich. Worauf sollten also die Kunden vorsichtig sein, wenn sie sich für eine plastische Operation entscheiden?

Sie sollten auf jeden Fall herausfinden, wer der operierende Chirurg ist und das nicht nur in Bezug darauf, wie er auf den Internetseiten seiner Klinik präsentiert wird, sondern welche Erfahrungen insbesondere seine Kunden mit ihm haben. Heute gibt es eine Reihe von Diskussionsforen, in denen die Kunden diskutieren, ihre eigenen Erfahrungen austauschen und konsultieren. Es ist mir mehrmals passiert, dass eine Kundin zu mir gekommen ist, die meine Arbeit auf den Fotos einer meiner früheren Patientinnen gesehen hat. Sie sollten also bestimmt so viele geprüfte Informationen wie möglich herausfinden. Und dann sollten sie natürlich darauf aufpassen, welches Spektrum von Leistungen der Arbeitsplatz anbietet und wie groß er ist. Je größer der Arbeitsplatz ist, desto mehr qualifizierte Spezialisten wie Chirurgen, Anästhesiologen, Internisten u. ä. hat er und desto sicherer ist er. Denn selbst wenn es „nur“ um die plastische Chirurgie geht, es ist immer die Medizin, die Chirurgie und es besteht immer das Risiko, dass etwas passieren kann. Und ein Arbeitsplatz mit einem Hintergrund hat eine viel größere Chance, das Problem zu lösen, als solcher, dem der Hintergrund fehlt.

                                                                                    

Neben der Klinik für die plastische Chirurgie gibt es in OB Care noch OB Klinika für die Behandlung von Adipositas. Kommen auch ihre Patienten zu Ihnen?

Ja, es ist so eine spezielle Mischung. Viele ihrer Patienten erscheinen bei uns, nachdem sie abgenommen haben, weil ihnen Hautüberhänge – auf Armen, Oberschenkel, am Bauch u. ä. entstehen, die sie zu beseitigen wünschen. Manchmal kommt es jedoch vor, dass ein Kunde, der eine Fettabsaugung möchte, zu uns kommt, aber 120 Kilogramm wiegt. Deshalb schicken wir ihn zuerst an die OB Klinika, um sein Gewicht zu reduzieren, denn Fettabsaugung ist kein Eingriff, der das Adipositas Problem an sich löst. Wenn so ein Kunde nach etwa zwei Jahren abnimmt, kann er dann zu uns zurückkommen.

Werden solche Eingriffe von der Versicherung bezahlt?

Nein. Im Allgemeinen bezahlt die Versicherung nur die Brustverkleinerung in indizierten Fällen, Bauchdeckenstraffung, wenn der Patient eine Diastase oder einen Abszess der Bauchmuskeln hat, und die Otoplastik bei Kindern bis zu 10 Jahren. Die OB Care hat jedoch keinen Vertrag mit einer Versicherungsgesellschaft, so dass alle unseren Eingriffe von unseren Kunden abgedeckt werden. OB Klinika ist ein Zentrum für Behandlung von Adipositas und metabolischer Störungen, in den indizierten Fällen wird die Behandlung von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen.

Hatten Sie jemals einen Kunden mit ungewöhnlichen Anforderungen an einen Eingriff?

Ja, gelegentlich taucht so jemand auf. Aber ich versuche immer, mit dem Kunden zu besprechen, was die Anforderungen sind und ihm zu sagen, ob es machbar ist oder nicht. Wenn ein Kunde kommt, der genau weiß, was er will, und so ein Eingriff auch machbar ist, ist es ein idealer Zustand. Dann gibt es Klienten, die zuerst zu uns kommen, um sich zu beraten und die Möglichkeiten zu diskutieren und die es sich dann zu Hause in Ruhe überlegen. Die Operation ist doch schon eine bedeutsame finanzielle Investition, es ist also wichtig, sie gut zu überlegen. Weitere Kategorie sind Patienten, die sich mit einer plastischen Operation etwas zu ändern wünschen, worauf die Operation keinen Einfluss hat. Es sind Leute, denen es zu Hause nicht gut läuft, wo der Mann der Frau sagt, sie hätte Brust nicht mehr wie in ihren Zwanzigern und sie kommt zu uns, um operiert zu werden. Das löst jedoch nichts, weil das Problem woanders liegt. Oder dann kommt ein Mann zu uns, der sich wünscht, seine Nase zu verkleinern, da er denkt, sie sei zu groß und er verbindet damit sein Versagen bei Frauen. Aber er sieht nicht mehr, dass er ein sehr stiller und schüchterner Typ ist und sein Problem nicht in seiner Nase, sondern in seiner Psyche liegt. Solche Anfragen lehne ich entweder ab, oder ich rate dem Kunden, sie noch einmal zu überlegen. Später treffen wir uns und diskutieren seine Vorstellungen noch einmal. Solche Leute kommen aber in der Regel nicht mehr zurück.

                                                                                                               

Sie müssen eine gute Schätzung von Menschen haben. Haben Sie einen Psychologen zur Verfügung?

In unserem Fach geht es viel um die Menschenpsyche, aber wir haben noch keinen Psychologen gebraucht. Einige Kliniken benützen verschiedene Bewertungsfragebogen, die von Psychologen zusammengestellt wurden, um psychisch kranke Menschen zu erkennen, aber es stellt sich heraus, dass sie nicht immer effektiv sind. Eine solche beunruhigende Diagnose ist für uns die Dysmorphophobie – eine krankhafte Angst vor Selbsthässlichkeit. Patienten, die an dieser Störung leiden, wollen wiederholt operiert werden, sind aber nie zufrieden. Das ist bedauerlich, denn ein solcher Patient ist sehr anstrengend, hartnäckig, aber immer noch unglücklich. Dann ist natürlich der Chirurg auch unzufrieden. Und solche Leute reisen in die Kliniken und machen Ärger. Zum Glück gibt es solche Menschen nicht viele, aber manchmal tauchen sie halt auf.

Wie denken Sie, wird sich plastische Chirurgie in der Zukunft entwickeln?

Meiner Meinung nach wird die Nachfrage nach ihr weiterhin groß sein. Es ist wegen der ständigen Bombardierung unserer Medien und der Art, wie die heutige Gesellschaft zur Pflege um das Aussehen des Menschen eingestellt ist. Die Menschen bei uns sind dazu reicher, das Angebot ist breit und die Pflege ist finanziell erschwinglicher. Ich sehe es selbst: während zuvor die Unternehmer zu uns gekommen sind, die reichere Schicht also, ist es jetzt mittlere oder untere Mittelschicht. Darüber hinaus entstand eine Reihe von Kliniken, die die gleichen Leistungen anbieten, so dass sie wirklich sehr erschwinglich geworden sind. Die Kliniken werden auch kein Problem mit der Klientel haben. Ein Problem der künftigen Kliniken sehe ich aber im Mangel an Chirurgen. Plastische Operationen führen heute Ärzte anderer Disziplinen durch, was unserer Meinung nach verkehrt ist. Leider gibt es seitens der Tschechischen Ärztekammer sowie des Gesundheitsministeriums keine Macht, die solche Praktiken verbieten könnte.


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